UNSERE BLINDENSCHULE

Jordanien ist zu über 97% islamisch

„Gott hat mein hartes Herz zerbrochen“

Nahe der türkischen Grenze lieferten sich Ende 2019 syrische Regierungstruppen und die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) blutige Kämpfe. Dabei wurde das Dorf der Syrerin Amani* von den Kämpfern des IS verwüstet. Sie töteten jeden, der nicht wie ein „echter Muslim“ aussah. Da Amani und ihre Familie einen eher westlichen Lebensstil pflegten, mussten sie sofort fliehen. So kamen sie nach Jordanien.

In der jordanischen Hauptstadt Amman fand die Familie einen Kellerraum in einem Armenviertel der Stadt. Der Besitzer der „Wohnung“, ein reicher Muslim, verlangte für den verschimmelten Raum eine unerhört hohe Miete. Die Familie lebte die ersten Monate vom Erlös von Amanis Goldschmuck, die sie nach Beduinensitte bei ihrer Hochzeit erhalten hatte.

Als das Geld ausgegangen war und sie tagelang kaum etwas zu essen hatten, wandte sich Amani an eine islamische Hilfsorganisation und schilderte ihre Not. Ein bärtiger Mann mit finsterem Blick fragte Amani, welcher Religion sie denn angehöre. Sie sagte überrascht: „Ich bin Muslimin, so wie ihr.“ Daraufhin sagte der Mann: „Wenn du Muslimin bist, dann solltest du aber zumindest ein Kopftuch tragen. Geh, verschleiere dich erst wie eine echte Muslimin. Danach werden wir weitersehen.“

Amani war schockiert von dieser Behandlung. Sie hätte sich nicht vorstellen können, von einer islamischen „Hilfsorganisation“ einfach so abgewiesen zu werden. Unterwegs begegnete ihr eine Syrerin, die sie aus ihrer Heimatstadt kannte, Amani erzählte ihr, was sie gerade erlebt hatte. Daraufhin meinte ihre syrische Freundin: „Ich kenne eine christliche Gemeinde. Dort kannst du Hilfe bekommen.“ Amani erwiderte: „Was soll ich in einer Kirche? Ich bin doch Muslimin.“ Die Syrerin beruhigte sie: „Dort in der Kirche wirst du andere Muslime treffen. Viele Syrer besuchen diese Gemeinde.“

Als Amani durch die Hintertür den Gemeindesaal betrat, predigte gerade unser Mitarbeiter Br. Abdel* über Matthäus 6,31-33: „Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen?… Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Während der Predigt dachte Amani die ganze Zeit über die Worte Jesu nach. „Wird der Gott der Christen sich auch um uns kümmern?“ Anschließend sprach sie Br. Abdel an: „Pastor, ich bin zum ersten Mal hier. Ich schwöre bei Allah, uns geht es wirklich miserabel. Meine Kinder haben seit Tagen nichts gegessen.“ Br. Abdel antwortete ihr: „Du musst nicht schwören. Ich glaube es dir!“ Er nahm sie mit in einen Lagerraum neben dem Gemeindesaal und sagte: „Hier kannst du aussuchen, was ihr zuhause braucht. Zeig mir, was du dringend benötigst.“ Überglücklich deckte Amani sich mit dem Nötigsten für ihre Familie ein.

Die Karmelmission versorgt regelmäßig viele Flüchtlingsfamilien
Ein Gottesdienst in Jordanien unter Pandemiebedingungen

Danach kam sie jede Woche zur Andacht. Später kam sie zusammen mit ihrem Mann und den Kindern. Eines Tages fragte Br. Abdel während des Treffens, ob jemand im Saal sitze, der Gott aus einem ganz bestimmten Grund danken möchte. Sofort stand Amani auf und sprach laut:

„Vor Monaten war ich zum ersten Mal hier im Saal. Wir hatten Hunger und zitterten vor Kälte in unserer Wohnung. Muslime weigerten sich, uns zu helfen, weil ich kein Kopftuch trug. Hier in der Gemeinde Jesu hörte ich das Wort Gottes zum ersten Mal. Die Liebe des Herrn Jesus und seiner Gemeinde hat mein hartes Herz zerbrochen. Ich danke Gott für seine Liebe. Ich bete jeden Tag zu Gott und sage: ‚Herr, bitte bringe uns bald in unsere Heimat zurück. Ich möchte so gerne, dass auch meine Landsleute in der Heimat dich und deine Liebe kennenlernen.‘“

*Name geändert

Die Hilfe der Karmelmission für Flüchtlinge in Jordanien wird ermöglicht durch die Gebete und Spenden unserer Missionsfreunde!

none