UNSERE BLINDENSCHULE
Hoffnung für eine „Kayaye“ im Norden Ghanas
Wenn im Norden Ghanas junge Muslime zum Glauben kommen, werden sie häufig von ihren Familien verstoßen. Aus diesem Grund hat Br. Tiyumba*, der die Arbeit der Karmelmission hier leitet, bereits vor Jahren in Tamale, der Hauptstadt des Nordens, ein Zuhause für verfolgte junge Konvertiten eingerichtet. Er nannte es Tahimayili – das Haus der Hoffnung.
In den letzten Jahren hat Br. Tiyumba Tahimayili von einem Heim für verfolgte Konvertiten zu einem Ausbildungszentrum für praktische Berufe weiterentwickelt. Jedes Jahr durchlaufen nun Dutzende junger Männer und Frauen eine einjährige Ausbildung zum Maurer, Tischler oder Klempner.
Viele der Teilnehmer am Ausbildungsprogramm kommen aus prekären Verhältnissen. Die Aufnahme an Tahimayili bedeutet für sie oft buchstäblich Rettung von einem Leben auf der Straße. Tahimayili gibt ihnen neue Perspektiven und einen Neustart ins Leben. Und das Wichtigste: Sie hören hier von Jesus. Auch die Auszubildende Aiya* lernte hier Jesus kennen. Br. Tiyumba berichtet:
„Ich lernte Aiya an einem Nachmittag beim Vorstellungsgespräch bei uns im Institut kennen. Ein Ausdruck der Verzweiflung lag im Gesicht der jungen Frau. Ihre Kleidung war verschlissen und dreckig – vermutlich hatte sie schon länger nicht mehr ein ordentliches Bad nehmen können. Mit großer Bestimmtheit bat Aiya mich um einen Ausbildungsplatz. Sie erzählte mir ihre Geschichte.
Aiya stammt aus einer typischen muslimischen Kleinbauernfamilie in der Savannenregion im Norden Ghanas. Sie war noch keine zehn Jahre alt, als ihr Vater starb. Die Mutter musste nun sehr hart arbeiten, um sie und ihren Bruder durchzubringen. Das geringe Einkommen aus der Landwirtschaft reichte kaum für das Nötigste. Ein Onkel von Aiya, der Christ war, ermöglichte ihr den Schulbesuch, sogar bis zum Abschluss der Oberschule. Doch es fehlten jegliche Anschlussperspektiven für eine berufliche Zukunft danach. Erneut steckte sie im Hamsterrad des täglichen Kampfes ums Überleben fest. Schließlich hatte sie es in der Heimat satt. Obwohl sie niemanden dort kannte, machte sie sich auf den Weg in den Süden, in die Hauptstadt Accra, um dort ihr Glück zu versuchen.
Doch die Träume von Arbeit, Reichtum und Glück verflogen im Nu. Monatelang musste sie im Freien auf dem Markplatz von Accra übernachten, bevor sie sich schließlich in einer schäbigen Unterkunft einmieten konnte. Sie verdingte sich als „Kayaye“. Eine Kayaye (pl. Kayayei) bezeichnet in Ghana eine weibliche Lastenträgerin. Sie steht an Straßenkreuzungen und auf Marktplätzen bereit und wartet auf Kunden. Für ein geringes Entgelt trägt sie dann Waren und Markteinkäufe in einer großen Schale auf dem Kopf zum Bestimmungsort. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und die Lebensumstände der Kayayei häufig prekär.
Eine Zeitlang schlug sich Aiya so unter menschenunwürdigen Umständen durch. Sie erlebte Hunger, Ausbeutung, und leider auch schlimme Demütigungen. Als sie sich die wöchentliche Miete für das Zimmer, in dem sie und andere Kayayei untergebracht waren, nicht mehr leisten konnte, kehrte sie schließlich verzweifelt in den Norden Ghanas zurück. Zurück in ihr Heimatdorf wollte sie nicht mehr gehen. So landete sie in Tamale, der Hauptstadt des Nordens, und kam schließlich zu mir ins Tahimayili-Institut zum Vorstellungsgespräch.
Als ich sah, wie ernst es ihr mit ihrem Anliegen war, ein Handwerk zu erlernen und für sich selbst eine bessere Zukunft aufzubauen, sagte ich ihr zu. Sie sollte die einjährige Grundausbildung in der Tischlerei absolvieren. Aiya wurde im Wohnheim für Frauen von Tahimayili untergebracht. Zum ersten Mal nach sehr langer Zeit konnte sie nun sauber und sicher schlafen und bekam genug zu essen.
Mit viel Fleiß investierte sie sich in die Ausbildung. Oft blieb sie auch nach Unterrichtsschluss noch in der Werkstatt – sie wollte lernen, weiterkommen. Aufgrund dieses besonderen Engagements behielten wir sie über das Grundausbildungsjahr hinaus bei uns in Tahimayili und ermöglichten ihr zusätzliches Training in unserer institutseigenen Tischlerei. Anschließend bekam sie eine Arbeitsstelle in einer örtlichen Baufirma angeboten. Eine wunderbare Wendung für eine junge Frau, die nicht lange zuvor noch auf der Straße leben musste!
Doch auch in anderer Hinsicht wurde Tahimayili zu einem Wendepunkt in Aiyas Leben. Sie nahm an den täglichen Andachten in der Werkstatt und den wöchentlichen Bibelstunden teil. Sie bekam Kontakt zur Gemeinde vor Ort. Hier im Jugendkreis übergab sie ihr Leben Jesus Christus. Heute ist sie fest in ihre Ortsgemeinde integriert. Vor kurzem war ich Zeuge, wie sie eine Gruppe junger Frauen ermutigte:
‚Vielleicht denkst du, deine jetzige Lage sei aussichtslos. Doch nichts muss so bleiben, wie es ist. Gib niemals dein Vertrauen auf Gott auf. Vertraue dein Leben Jesus Christus an. Mit seiner Hilfe kannst du auch die größten Schwierigkeiten in deinem Leben überwinden. Das habe ich selbst erlebt. Gott ist wirklich gut – zu jeder Zeit.‘“
Aufruf
Liebe Missionsfreunde,
in unserer Arbeit unter Muslimen ist es uns immer ein Anliegen, dass wir dem Evangelium „Hände“ und „Füße“ geben. Das sind unsere praktischen Hilfen vor Ort, die auf die Bedürfnisse und Nöte der Menschen auf dem jeweiligen Missionsfeld zugeschnitten sind. Gleichzeitig schlagen unsere Projekte – wie z.B. unser Ausbildungszentrum Tahimayili – feste Brücken für das Evangelium, durch die viele Muslime zum Glauben finden. Br. Tiyumbu sagt: „In den vergangenen Jahren haben 26 junge Auszubildende aus muslimischem Hintergrund ihr Leben Jesus anvertraut. Viele Absolventen kehren anschließend in ihre Heimatorte zurück und so wird unsere Schule zum Segen für die gesamte Region.“ Die durchschnittlichen Kosten für einen Auszubildenden am Tahimayili-Institut betragen 240 Euro pro Monat. Ganz herzlichen Dank für Ihre Gebete und Unterstützung für die Arbeit von Br. Tiyumba im Norden Ghanas.

