UNSERE BLINDENSCHULE
Der Christenhasser findet zum Glauben
An Pfingsten denken wir wieder besonders daran, dass der Geist Gottes auch heute noch wirksam ist und Menschen zum Glauben an Christus ruft; auch solche, von denen man es sich menschlich nie hätte vorstellen können. Das erleben unsere Mitarbeiter weltweit täglich – auch im Sudan. In diesem Land spielt sich zurzeit eine der größten humanitären Katastrophen weltweit ab. Noch immer ist kein Ende in Sicht für den Bürgerkrieg, der im April 2023 zwischen den machthungrigen Generälen Burhan und Dagalo begann. Millionen Sudanesen haben durch die Kampfhandlungen bereits ihr Zuhause verloren und mussten fliehen. Islamistische Extremisten kämpfen in den Reihen beider Armeen mit. Der Einsatz von modernen Kampf-Drohnen macht auch solche Gebiete im Land unsicher, die nicht unmittelbar umkämpft sind.
Unsere Mitarbeiter vor Ort im Sudan geben trotz all der Gefahren nicht auf und stehen den Menschen in der großen Not zur Seite. Sie helfen Menschen in Flüchtlingslagern, verteilen Lebensmittelpakete, besuchen Gefangene und bringen den Muslimen die Gute Nachricht von Christus. Das geschieht zum Beispiel, indem sie örtliche Liederabende durchführen – denn Sudanesen lieben Musik. Im Schatten von Gewalt und Kriegen erleben unsere Mitarbeiter, wie Muslime zum Glauben an Christus, dem Fürst des Friedens, finden. Unser Mitarbeiter Br. Amir* berichtet von Mutawakkil*:
„Mutawakkil ist 33 Jahre alt. Er hat an der Scharia-Fakultät der Universität Khartum studiert und bekam nach seinem Abschluss eine leitende Anstellung im Ministerium für islamische Propaganda und Rechtleitung in Dunqala. Alle örtlichen christlichen Aktivitäten müssen auch während des Krieges von dieser islamischen Behörde genehmigt werden. Mutawakkil war einer der strengsten Beamten dieser Behörde, ein fanatischer Christenhasser. Wenn wir einen Liederabend durchführen wollten, erteilte er uns oft keine Genehmigung oder verzögerte es Monate lang.
Vor ca. einem Jahr fielen drei Verwandte von Mutawakkil einem Raubüberfall zum Opfer. Maskierte Täter stoppten ihren Kleinbus, schlugen sie brutal zusammen und ‚beschlagnahmten‘ den Kleinbus samt mitgeführten Koffern und Wertsachen als ‚Spende für den Heiligen Krieg‘. Verletzt und schwer mitgenommen machten die Ausgeraubten sich zu Fuß auf den Weg in die nächstgelegene Stadt. Unterwegs half ihnen niemand.
Doch dann fuhr eins unserer Evangelistenteams an ihnen vorbei und erkannte ihre Notlage. Sie hielten an, boten ihnen Hilfe an und nahmen sie mit. ‚Wir sind christliche Landsleute und möchten euch gerne helfen‘, sagten sie. Die Verwandten Mutawakkils wunderten sich über die Hilfsbereitschaft der Christen, die sie ja eigentlich hassten.
Unsere Evangelisten brachten sie zu einem Imbiss, dessen Besitzer ebenfalls zu unserem Freiwilligenteam angehört. Von dort konnten sie Mutawakkil anrufen und berichten ihm, was ihnen widerfahren war. Zwei Schwestern ihre Wunden und verbanden sie und bevor man sie an ihren Bestimmungsort brachte, aßen sie noch gemeinsam etwas.
Dieses Ereignis war für Mutawakkil ein Schock. Christen, die er als Feinde Allahs hasste und verachtete, waren die einzigen Menschen, die seinen Verwandten geholfen hatten, als sie Opfer einer islamischen Miliz wurden.
Nur einen Tag später kontaktierte Mutawakkil Br. Anwar und bat ihn um ein privates Treffen bei sich zuhause. Br. Anwar dachte, dass Mutawakkil ihn wohl zum Islam bekehren möchte. Doch als sie sich setzten und Mutawakkil ihm ein Glas Tee gereicht hatte, stellte er ihm die Frage: ‚Warum helft ihr Christen Menschen, die euch hassen? Wie schafft ihr das?‘ Dann erzählte Mutawakkil, was seine Verwandten neulich erlebt haben. ‚Christen waren die einzigen Menschen, die ihnen geholfen haben‘, sagte Mutawakkil. ‚Und die Verbrecher, die meine Leute ausraubten und zusammenschlugen, waren Muslime! Seit diesem Vorfall beschäftigt mich eine einzige Frage: Warum ist das so? Woran liegt das?‘
Br. Anwar erklärte, dass wir Menschen alle Sünder sind und jeder von uns zu solchen abscheulichen Taten fähig ist. Dann sprach er vorsichtig über Jesus Christus, der allein ohne Sünde auf dieser Erde gelebt hat. ‚Jesus allein kann uns die Kraft schenken, unsere Feinde zu lieben.‘ Er schlug Mutawakkil vor, mit ihm gemeinsam das Neue Testament zu lesen. ‚Die beste Antwort auf deine Fragen findest du im Evangelium von Jesus Christus.‘
So begann Mutawakkil zusammen mit Br. Anwar zweimal pro Woche das Wort Gottes zu lesen. Als sie zur Geschichte von Zachäus kamen und Lukas 19,10 lasen, sagte Mutawakkil: ‚Auch ich möchte von dem Herrn Jesus gesucht und gerettet werden.‘ Mutawakkil, der einst die Christen hasste, fand durch das Evangelium zum Glauben an Jesus Christus. Letzten November haben wir ihn getauft.“
*Name geändert

